Reaktionen auf Entebbe in der breiten Öffentlichkeit

DIE REAKTIONEN AUF ENTEBBE IN DER BREITEN ÖFFENTLICHKEIT DER BRD

Entebbe in den Medien

 

Die Schwerpunkte der meisten Artikel lagen nicht auf der Aufteilung der Gefangenen. Anfangs fanden sich vor allem Berichte über den Verlauf der Entführung, Mutmaßungen über die Identität der Entführer*innen und Abwägungen über die Rolle Idi Amins. Hinzu kamen Artikel mit Hintergrundinformationen zu den Gefängnisinsass*innen, deren Freilassung die Entführer*innen forderten. Zunehmend wurden die israelische Militäraktion und die darauf folgenden internationalen Konflikte, insbesondere die Debatte in den Vereinten Nationen (UN), thematisiert. Eine Weile noch tauchte Entebbe als Bezugspunkt in der weiteren Berichterstattung über Terrorismus und seine Bekämpfung auf, bevor es gänzlich aus den großen Medien verschwand.

 

Die Trennung der Geiseln

 

Dennoch werden immer wieder die zugrundeliegenden Annahmen über die Gefangenenaufteilung deutlich. Dabei bestand keineswegs Einstimmigkeit. So schrieb etwa Der Spiegel in einer Reportage vom 12. Juli 1976:

»Vom Strand sind es keine 500 Meter bis zum alten Flughafengebäude, in dem die jüdischen Geiseln gefangen gehalten wurden.«

 

Der Autor oder die Autorin geht also davon aus, dass die Trennung der Geiseln aufgrund ihres Jüdisch-Seins stattgefunden habe. Der Tagesspiegel berichtete am 2. Juli:

»Alle Passagiere mit israelischer oder doppelter Staatsbürgerschaft sowie die Flugzeugbesatzung bleiben in ihrer Gewalt.«

D

ie Zeitung sah also zunächst die Staatsangehörigkeit als Kriterium für die Selektion an. Dennoch gab es auch Artikel, die das Selektionsnarrativ direkt aufgriffen, Vergleiche zum Holocaust zogen und die Frage des Antisemitismus stellten. Der Spiegel veröffentlichte eine lange Reportage, in der auch Opfer zu Wort kamen, zum Beispiel Sara Davidson, die mit den Worten zitiert wird: »Zwei verdammte Deutsche machen ›Selektion‹ mit uns«.

 

Ähnlich deutlich wurde die Frankfurter Rundschau, die am 12. Juli in Bezug auf die Geiseltrennung titelte: »Keinem konnte die schreckliche Bedeutung entgehen.« Die Zeit ließ in einer Reportage die Geisel Arno Hilf sprechen:

»Ich vergleiche das nicht mit den Massenmord Aktionen der Nazis […]. Irgendwie waren wir auf einmal außerhalb der Welt, der Wirklichkeit. Wir dachten sogar, dass alles gut enden würde, als uns eines Tages einer der arabischen Entführer mitteilte, unsere Regierung hätte allen Bedingungen zugestimmt.«

 

Es sind die verschiedenen Einschätzungen und Erinnerungen der Geiseln, die sich in den unterschiedlichen Darstellungen in der Berichterstattung widerspiegeln.

 

Die Bedeutung von Entebbe

 

Nur selten wird die Bedeutung von Entebbe thematisiert, wie Die Zeit vom 9. Juli 1976 es unternimmt: Die Geiseln seien »rassistischer Verfolgung« ausgesetzt gewesen. Der Autor stellte die Frage, was Entebbe für die Politik der Bundesrepublik Deutschland bedeute:

»Hätten wir auf Kosten des Lebens der Juden, die zuvor ein deutscher Terrorist von anderen mit vorgehaltener Pistole selektierte, einen Austausch […] verweigert, nur um fünf in deutschen Gefängnissen einsitzende Baader-Meinhof-Leute nicht hergeben zu müssen? Wir hätten das nur schwerlich ausgehalten.«

 

Solche Reflexionen waren selten. Die Debatten in der breiten deutschen Öffentlichkeit endeten kurz nach der Befreiungsaktion.

 

TEXT: Friederike Odenwald

 

Die Flugzeugentführung von Entebbe erregte auch in der westdeutschen Öffentlichkeit Aufsehen. Die Medien berichteten über die Entführung, die Öffentlichkeit diskutierte über die Ereignisse. In überregionalen Tageszeitungen wie der Frankfurter Rundschau und dem Tagesspiegel oder Wochenmagazinen wie Der Spiegel und Die Zeit fanden sich unterschiedliche Interpretationen. Verschiedene Annahmen über die Aufteilung der Geiseln – über ihren Ablauf und die Kriterien, die die Entführer*innen dabei anwendeten – rückten in den Fokus der Diskussion.

DIE SELEKTION VON ENTEBBE?

 

Ein studentisches Ausstellungsprojekt -

Die Ausstellung war zwischen dem

21. September bis zum 21. Dezember 2016

in der Bildungsstätte Anne Frank (Frankfurt)

zu sehen.

FOLLOW US

© Copyright 2016. All Rights Reserved. All pictures by Felix Schmitt.