Reaktionen - Überblick

 

ENTEBBE: REAKTIONEN. DEBATTE. ERINNERUNG

 

 

40 JAHRE DISKUSSIONEN ÜBER ENTEBBE

Schon während der Ereignisse entstand eine Diskussion über die Aufteilung der Gefangenen in Entebbe und deren Bedeutung, die bis heute andauert. Dabei steht die Frage, ob die Geiseltrennung als antisemitische Tat zu verstehen ist im Mittelpunkt.

 

ENTEBBE AUS JÜDISCHER PERSPEKTIVE

Über Wochen nahm Entebbe in den jüdischen Medien der BRD immer wieder einen wichtigen Platz ein. Als Zeichen eines »Nie wieder!« im Angesicht eines klar als antisemitisch wahrgenommenen Ereignisses, vor allem aber als Ausdruck der Wehrhaftigkeit Israels, wurde es zum neuen Maßstab im internationalen Kampf gegen den Terrorismus erklärt. Das entschlossene Handeln der israelischen Regierung zeige eine vorbildhafte Einstellung, die es von allen anderen Nationen nachzuahmen gelte.

 

JOSCHKA FISCHERS UND DANIEL COHN-BENDITS ERINNERUNGEN ZU ENTEBBE

Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit gehören zu den heute prominentesten Vertretern der Frankfurter linken Szene der 1970er Jahre und fallen heute durch eine besonders deutliche Position zur Aufteilung der Gefangenen in Entebbe auf. Um ihre unmissverständliche Interpretation der Geiseltrennung als antisemitische Selektion nachzuvollziehen, muss man verstehen, welchen Lebensweg sie im Laufe der siebziger Jahre beschritten haben und auch die persönliche Situation im Umfeld der Positionierung berücksichtigen.

 

DER SELEKTIONSBEGRIFF

In den letzten 40 Jahren der Diskussionen rund um die Ereignisse von Entebbe etablierte sich der Begriff der Selektion als Bezeichnung für die Aufteilung der Gefangenen während der Entführung. Damit setzte sich die Interpretation der Geiseltrennung als antisemitische und an die Rampe des Vernichtungslagers Auschwitz erinnernde Selektion durch.

 

REZEPTION DER EREIGNISSE VON ENTEBBE IN DEN LINKEN MEDIEN IM JAHR 1976

Provokante Schlagzeilen finden sich auf den Titelseiten linker Zeitungen nach der Geiselbefreiung von Entebbe am 4. Juli 1976. Sie zeigen eine klare antiisraelische und pro-palästinensische Haltung innerhalb der Neuen Linken in der Bundesrepublik Deutschland. Doch so sehr die Befreiungsaktion durch israelische Streitkräfte in den linken Zeitungen kritisiert wird, so wenig thematisieren sie die Aufteilung der Geiseln.

 

DER ANTISEMITISMUS- UND ANTIZIONISMUS-DISKURS IN DER DEUTSCHEN LINKEN AB 1989

Mit dem Zusammenbruch der realsozialistischen Ostblockstaaten Ende der 1980er Jahre fiel die deutsche Linke in eine Sinnkrise. Sie stand vor inhaltlichen und strukturellen Problemen und befürchtete, dass im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands ein »Viertes Reich« entstehen könnte. Die »Nie wieder Deutschland«-Kampagne (Herbst 1989) legte den Schwerpunkt auf die Opfer Deutschlands. Gleichzeitig begann die kritische Aufarbeitung antizionistischer und antisemitischer Haltungen innerhalb des antinationalen Flügels der deutschen Linken.

 

DIE SELEKTION VON ENTEBBE IM SPIELFILM

Direkt nach den Geschehnissen von Entebbe wurden drei Spielfilme über die Flugzeugentführung und Befreiungsaktion gedreht: Raid on Entebbe, Victory at Entebbe (Unternehmen Entebbe) und Mivtsa Yonatan (Operation Thunderbolt) – zwei starbesetzte Hollywood- und eine israelische Produktion. Sie erschienen 1976 und 1977.

 

DIE REAKTIONEN AUF ENTEBBE IN DER BREITEN ÖFFENTLICHKEIT DER BRD

Die Flugzeugentführung von Entebbe erregte auch in der westdeutschen Öffentlichkeit Aufsehen. Die Medien berichteten über die Entführung, die Öffentlichkeit diskutierte über die Ereignisse. In überregionalen Tageszeitungen wie der Frankfurter Rundschau und dem Tagesspiegel oder Wochenmagazinen wie Der Spiegel und Die Zeit fanden sich unterschiedliche Interpretationen. Verschiedene Annahmen über die Aufteilung der Geiseln – über ihren Ablauf und die Kriterien, die die Entführer*innen dabei anwendeten – rückten in den Fokus der Diskussion.

 

ERINNERN AN ENTEBBE IN ISRAEL

Von Anfang an verstanden die israelischen Medien die Geiseltrennung als antisemitische Selektion. Diese Auffassung vertraten auch die vordersten Repräsentanten des israelischen Staates, allen voran Premierminister Yitzchak Rabin sowie Verteidigungsminister Shimon Peres. Aus deren Perspektive stellte die Entführung die für den jungen Staat Israel so bedeutende Wehrhaftigkeit grundlegend in Frage und die Befreiungsaktion wurde zu einem Akt der Notwehr nach den Leiden in der Shoa erklärt.

 

DIE SELEKTION VON ENTEBBE?

 

Ein studentisches Ausstellungsprojekt -

Die Ausstellung war zwischen dem

21. September bis zum 21. Dezember 2016

in der Bildungsstätte Anne Frank (Frankfurt)

zu sehen.

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