Rezeption in den linken Medien 1976

REZEPTION DER EREIGNISSE VON ENTEBBE IN DEN LINKEN MEDIEN IM JAHR 1976

Sowohl der Rote Morgen, als auch die konkret, die Kommunistische Volkszeitung sowie der Arbeiterkampf nehmen in der unmittelbaren Berichterstattung bis Anfang August 1976 eine klare antizionistische Haltung ein.

 

Was stand im Fokus der Berichterstattung über Entebbe?

 

Der Fokus der untersuchten linken Medien lag überwiegend auf der Schilderung und Bewertung der Befreiung der Geiseln durch israelische Soldaten, die als »israelische Gewalt« und »Brutale Aggression Israels gegen Uganda« im Roten Morgen, dem zentralen Publikationsorgan der Kommunistischen Partei Deutschland/Marxisten-Leninisten betitelt wurde. Die antizionistische Haltung, bei der innerhalb der Linken ein idealisiertes Palästinabild gezeichnet und die Jüd*innen als neue »Faschisten« sowie »amerikanisch, imperialistische Kollaborateure« bezeichnet wurden, wurde hier aufgegriffen.

 

Auch die Kommunistische Volkszeitung, das Zentralorgan des Kommunistischen Bundes Westdeutschland, erschien mit Schlagzeilen wie »Die Imperialisten schreien Terror«. Das Verhalten Israels wird im Roten Morgen mit dem nationalsozialistischen Deutschland unter Hitler verglichen: »Nach dem Muster dieser faschistischen Propaganda der Hitlerfaschisten, mit der sie ihren faschistischen Überfall auf Polen ›rechtfertigten‹, wird jetzt der Überfall der israelischen Zionisten als ›Akt der Notwehr‹ und der ›Selbstverteidigung‹ hingestellt«.

 

Im Roten Morgen wird der Standpunkt der sogenannten afro-arabischen Staaten vertreten, die israelisches Handeln als Verstoß gegen die UN-Charta ansehen und werden die Völker der Welt aufgefordert, den Überfall Israels auf einen souveränen Staat der UN als »flagrante Aggression«, die der Charta der Vereinten Nationen ebenso wie allen internationalen Normen und Regeln widerspricht, zu verurteilen. Die Zeitung Arbeiterkampf, die durch den Kommunistischen Bund hervorging, bringt sogar die Frage nach einem »Krieg gegen die Dritte Welt?« ins Spiel. Laut Arbeiterkampf ist das israelische Eingreifen als ein »verbrecherischer Überfall« gegen die Dritte Welt, hier verkörpert durch Uganda, zu interpretieren.

 

Auch Carl L. Guggomos geht in der konkret (Zeitschrift für Politik und Kultur) auf eine sogenannte »Narrenfreiheit« Israels und die Untergrabung der Souveränität Ugandas ein. Das Handeln Israels in dieser Situation, gegen Recht und Gesetz verstoßend, nehme ihnen ihre staatliche Legitimität und setzte sie mit den »Gangstern« auf eine Stufe, der Staat »wird […] selbst zu einer kriminellen Vereinigung«.

 

Waren sich also die linken Medien im unmittelbaren zeitlichen Umfeld der Ereignisse bezüglich der Bewertung derselben noch einig, so sollte sich dies schon Anfang der 1980er Jahre ändern. Es entbrannte insbesondere in der Zeitschrift konkret eine lange Debatte über den vielerorts erhobenen Antisemitismusvorwurf an der politischen Linken mit dem Resultat einer heute grundsätzlich pro-israelischen Haltung der Zeitschrift.

 

TEXT: Anna Ewald und Juliette Heinikel

 

Provokante Schlagzeilen finden sich auf den Titelseiten linker Zeitungen nach der Geiselbefreiung von Entebbe am 4. Juli 1976. Sie zeigen eine klare antiisraelische und pro-palästinensische Haltung innerhalb der Neuen Linken in der Bundesrepublik Deutschland. Doch so sehr die Befreiungsaktion durch israelische Streitkräfte in den linken Zeitungen kritisiert wird, so wenig thematisieren sie die Aufteilung der Geiseln.

DIE SELEKTION VON ENTEBBE?

 

Ein studentisches Ausstellungsprojekt -

Die Ausstellung war zwischen dem

21. September bis zum 21. Dezember 2016

in der Bildungsstätte Anne Frank (Frankfurt)

zu sehen.

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