Revolutionäre Zellen

DIE REVOLUTIONÄREN ZELLEN UND IHR INTERNATIONALER ABLEGER

Im Prozess der Radikalisierung und Spaltung der Studierendenbewegung organisierten sich auch die späteren Entführer*innen von Entebbe, Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann Anfang der 1970er Jahre in den RZ, welche, im Gegensatz zur avantgardistischen Roten Armee Fraktion, aus regional ausgerichteten Gruppierungen ohne zentrale Führung bestanden.

 

Neben diesen autonomen Einzelgruppen gab es auch ein international agierendes Kommando. Dieses Kommando, das auf die Tradition der engen Zusammenarbeit zwischen deutschen linksterroristischen Gruppierungen und der Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP) aufbaute, war 1975 durch die Geiselnahme im Hauptquartier der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) in Wien auf die internationale Bühne des Terrorismus getreten. Die PFLP unterstützte die internationale Zelle der RZ bei der militärischen Ausbildung, bei der Beschaffung von Waffen und Sprengstoffen sowie bei der Kontaktaufnahme zu Staaten, in denen die Mitglieder notfalls hätten untertauchen können.

 

Die PFLP erwartete im Gegenzug die Unterstützung bei Kommandooperationen. Erste Kontakte zwischen den RZ und der PFLP können gesichert erst ab 1974 nachgewiesen werden. Sie wurden durch Kuhlmann und Böse mit Wadi Haddad, einem militärischen Anführer der PFLP, in Paris geknüpft. Zusammen mit dem internationalen Topterroristen Ilich Ramírez Sánchez alias Carlos der Schakal wurde die Kommandogruppe »Boudia« gegründet. Zwischen 1975 und 1976 hielten sich mehrere RZ-Mitglieder zur militärischen Ausbildung im Südjemen auf, darunter auch Kuhlmann und Böse.

 

Die deutschen Einzelzellen der RZ agierten in der Bundesrepublik anonym. Nicht alle Mitglieder gingen in den Untergrund, sondern lebten und arbeiteten weiterhin in der Legalität und wurden daher auch als »Feierabendterroristen« bezeichnet. Somit war ihnen die Partizipation an politischen Organisationen und Diskussionen weiterhin möglich.

 

TEXT: Robert Wolff

 

»Die Organisationen Revolutionäre Zellen und Rote Zora sind ebenso wie die anderen bewaffneten Gruppen in der BRD (Rote Armee Fraktion, Bewegung 2. Juni u.a.) das Ergebnis der Radikalisierung eines Teils der 68er-Bewegung. Das aus Lateinamerika abgeleitete Stadtguerillakonzept, ihr Kampf im Herzen der Bestie (Che Guevara), wurde als strategische Notwendigkeit der Metropolenlinken begriffen. Mit den in der Linken breit diskutierten internationalistischen, antiimperialistischen und sozialrevolutionären Theorien wurde die Unabdingbarkeit revolutionärer Gewalt zur Gesellschaftsveränderung formuliert.«

So steht es in Früchte des Zorns, der 1993 erschienen kommentierten Materialsammlung über die Positionen und Aktionen der Revolutionären Zellen (RZ).

DIE SELEKTION VON ENTEBBE?

 

Ein studentisches Ausstellungsprojekt -

Die Ausstellung war zwischen dem

21. September bis zum 21. Dezember 2016

in der Bildungsstätte Anne Frank (Frankfurt)

zu sehen.

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