Entführer*innen

DIE ENTFÜHRER*INNEN

Da Athen dafür bekannt war, weniger strenge Gepäckkontrollen durchzuführen und am Tag der Entführung zusätzlich ein Streik die Abläufe chaotisch werden ließ, scheint es für die Terrorist*innen ein Leichtes gewesen zu sein, ihre Waffen mit an Bord zu schmuggeln. Zwei von ihnen ließen sich in der Ersten Klasse nieder. Die anderen beiden, die durch ihr Erscheinungsbild von einigen israelischen Passagier*innen als Palästinenser eingestuft wurden, führten bereits vor Beginn des Fluges zu Bedenken über die Sicherheit. Die beiden Männer nahmen in der Zweiten Klasse Platz.

 

Die zwei, die sich in der Ersten Klasse niedergelassen hatten, waren die beiden Deutschen Brigitte Kuhlmann und Wilfried Böse, Mitglieder der Revolutionären Zellen. Die ersten freigelassenen Geiseln berichteten in Paris, dass Böse kurz nach dem Start des Flugzeugs die Kontrolle im Cockpit übernahm und Kuhlmann zusammen mit den beiden Palästinensern den Flugzeuginnenraum bewachte.

 

Die deutschen Entführer*innen

 

Die beiden Deutschen hatten sich im Frankfurter Verlag »Roter Stern« kennengelernt, bei dem auch andere spätere Terrorist*innen wie Hans-Joachim Klein und Johannes Weinreich ein- und ausgingen. Wilfried Böse, geboren 1949, hatte sich an der Frankfurter Goethe-Universität für Soziologie eingeschrieben und fiel dort immer wieder durch radikale Ansichten sowie ein großes Geltungsbedürfnis auf. Während der Entführung wurde er von Geiseln immer wieder als wohlerzogen, eher zurückhaltend und vergleichsweise zugänglich beschrieben. Brigitte Kuhlmann, geboren 1947, hatte Pädagogik studiert und zog 1970 als Anwaltsgehilfin und spätere Mitarbeiterin im Verlag »Roter Stern« nach Frankfurt. Im Gegensatz zu Böse wurde sie von den Entführten als unberechenbar und offen gewaltbereit beschrieben. Sie habe ständig mit ihrer Waffe hantiert und generell einen nervösen Eindruck gemacht.

 

Über die Anfänge der beiden in der terroristischen Szene ist wenig bekannt. Beide sollen zuvor Verbindungen zur RAF und zur Bewegung 2. Juni gehabt haben. Böse soll 1974 zum ersten Mal mit dem berüchtigten Terroristen Carlos zusammengetroffen sein, dem er im Januar 1975 bei einem Angriff auf ein israelisches Flugzeug geholfen haben soll. Noch im gleichen Jahr tauchte Böse zusammen mit Kuhlmann - die beiden sollen inzwischen geheiratet haben – in den terroristischen Untergrund ab. Sie trainierten in PFLP-Ausbildungscamps im Südjemen.

 

Die Terrorist*innen der PFLP

 

In Athen betraten Fayez Abdul-Rahim Jaber und Jayel Naji al-Arjam die Air France-Maschine. Beide waren ranghohe Mitglieder der PFLP Untergruppierung PFLP Special-Command (PFLP-SC). Jaber zählte zu den Gründungsmitgliedern der PFLP und al-Arjam war stellvertretender Kommandeur für Auswärtige Angelegenheiten, insbesondere in Südamerika, weshalb er unter den Geiseln auch als »The Peruvian« bekannt war. Al-Arjam, geboren in der Nähe von Jerusalem und ausgebildet in Business Management und Rechtswissenschaften, hatte in Jordanien für seine Zusammenarbeit mit arabischen Nationalisten für einige Zeit in Haft gesessen. Während »The Peruvian« wie Böse als zugänglich und sogar hilfsbereit in Bezug auf die Belange der Geiseln beschrieben wird, berichten die Entführten über Jaber von offen antisemitisch motivierten und vollkommen willkürlichen Misshandlungen insbesondere der israelischen und jüdischen Geiseln.

In Entebbe stießen noch weitere Palästinenser*innen dazu, unter ihnen Fouad Awad. Der ehemalige Offizier der Libanesischen Armee übernahm das Kommando vor Ort und veröffentlichte die Liste mit den Forderungen. Der Oberbefehl über die Aktion lag wahrscheinlich bei Wadi Haddad, der aus Mogadischu agierte. Haddad hatte mit George Habash die PFLP ins Leben gerufen und war schon zuvor an zahlreichen Terroraktionen beteiligt gewesen. Der Plan für die Entführung der Air France-Maschine stammte vermutlich von ihm.

 

TEXT: Marlon Saadi, Robert Wolff und Julia Wirth

Die Entführung des Fluges 139 von Air France von Tel Aviv nach Paris war eine Zusammenarbeit einer Gruppe der deutschen Revolutionären Zellen und der Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP).

In Athen stiegen vier Personen in die Air France-Maschine, die sich im Transit aus Kuwait befanden und bereits im Flugzeug einigen Passagier*innen durch ihre übermäßig großen Taschen auffielen.

DIE SELEKTION VON ENTEBBE?

 

Ein studentisches Ausstellungsprojekt -

Die Ausstellung war zwischen dem

21. September bis zum 21. Dezember 2016

in der Bildungsstätte Anne Frank (Frankfurt)

zu sehen.

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