Befreiungsaktion in Entebbe

DIE BEFREIUNGSAKTION AM FLUGHAFEN VON ENTEBBE

Die Geiseln in Entebbe

 

Die entführte Air-France-Maschine landete am Montag, den 28. Juni 1976, mit 254 Geiseln in Entebbe. Dort wurden sie, bewacht von ugandischen Soldaten, in das alte Flughafengebäude gebracht und dort festgehalten. Moshe Peretz, ein 26-jähriger Israeli, schrieb in seinem Tagebuch über die Umstände am Flughafen:

»Die Fluggäste beginnen, endlich etwas zu schlafen und legen sich auf den verdreckten Fußboden. Es ist wahnsinnig heiß, und man hört eine Symphonie von Schnarchern. Sie schreien einander an, ruhig zu sein; es ist wie im Sommerlager der israelischen Kadetten in Gadna.«

 

Am Mittwoch, den 30. Juni, ließen die Geiselnehmer*innen zunächst 48 hauptsächlich französische Geiseln frei. Weitere 100 Geiseln wurden einen Tag später freigelassen. Unter den 105 Gefangenen befanden sich nun noch rund 80 israelische Staatsbürger sowie die zwölf Crewmitglieder.

 

Die Befreiungsaktion

 

Unter dem Codenamen »Thunderbolt« entwickelten die Israelis in der Folge eine militärische Operation zur Befreiung der Geiseln. Hierbei halfen die Schilderungen der bereits freigelassenen Geiseln, die nach Paris geflogen und von den israelischen Verteidigungsstreitkräften befragt wurden. So konnten sie sich ein Bild der Lage an dem alten Terminal machen. Vor Ort würden die Geiseln von höchstens zehn Terrorist*innen und zwischen 80 und 100 ugandischen Soldaten bewacht.

Die Einsatztruppe landete in der Nacht zum 4. Juli mit vier Transportflugzeugen. Zudem diente eine Boeing als Kommandozentrale und eine weitere der medizinischen Versorgung. Zu Beginn der Aktion fuhr Oberstleutnant Yonatan Netanyahu mit weiteren Mitgliedern der Operation in einem schwarzen Mercedes auf das Flughafengelände zu, um einen der zuvor zahlreichen Besuche des ugandischen Präsenten Idi Amin zu simulieren. Zwei ugandische Soldaten wurden zunächst aus dem Auto heraus erschossen, nachdem sie das Feuer eröffnet hatten. Damit war der Überraschungseffekt verloren und die Soldaten im Kontrollturm bemerkten, dass etwas nicht stimmte und schalteten die Beleuchtung der Landebahn aus.

 

Die sieben Terroristen*innen starben wenige Minuten, nachdem das erste Flugzeug mit den israelischen Soldaten in Entebbe gelandet war. Als die Flughafenhalle gestürmt wurde, brüllten die Soldaten, dass die Geiseln sich hinlegen sollen. Zwei Terrorist*innen eröffneten das Feuer. Peretz schrieb hierzu später in seinem Tagebuch:

»Einige von uns sprangen plötzlich auf und sagten, sie hörten draußen Schüsse. Ich hörte, daß Maschinengewehre entsichert wurden. Alle warfen sich zu Boden. Einige flohen auf die Toiletten. Menschen liegen in Haufen übereinander. Mütter werfen sich schützend über ihre Kinder. Man hört Schüsse. Ich bin auf der Toilette. Ich glaube, jetzt wollen sie uns alle erschießen, einen nach dem anderen. Schreckensschreie ...«

 

Eine weitere Geisel, der junge Benny Davidson, berichtete nach der Befreiung:

»Ich wußte nicht, daß es israelische Soldaten waren. Plötzlich hörten wir Schüsse. Wir rannten zu den

Toiletten. Alle rannten in die Richtung. Wir preßten die Köpfe auf den Boden. Mein Vater lag über meinem Bruder, um ihn zu schützen, und meine Mutter beschützte mich.«

 

In der Halle gerieten Decken in Brand und sie füllte sich mit Rauch. Die Situation wurde immer unübersichtlicher. Erste Verletzte konnten bereits während der Schießerei geborgen werden. Unter ihnen waren fünf Zivilist*innen und vier Soldaten. Währenddessen wurden die israelischen Soldaten weiter vom Kontrollturm aus beschossen. Dabei traf Netanyahu eine Kugel in den Rücken. Er starb kurz darauf. Die Geiseln wurden per Lautsprecher aufgefordert, aus den Gängen und Nebenräumen in die Haupthalle zu kommen. Als die Schießerei endgültig endete, brachten die Soldaten die befreiten Geiseln in die Flugzeuge, die kurz darauf starteten. Bei der Befreiungsaktion starben drei Geiseln: Ida Borochovich, der gerade mal 19-jährige Jean-Jacques Mimouni sowie Pasco Cohen. Mindestens zwanzig ugandische Soldaten kamen ums Leben. In Israel dominiert jedoch der Tod von Yonatan Netanyahu die Erinnerung an die Ereignisse von Entebbe. Die militärische Operation wird mittlerweile nach ihm benannt, zumal die Erinnerung an diesen den Fokus auf die militärische Stärke Israels lenkt.

 

TEXT: Lea Donnerhak

 

105 Geiseln befanden sich am 3. Juli 1976 noch in der Hand ihrer Geiselnehmer*innen, die sie am Flughafen von Entebbe festhielten. Sieben Tage dauerte die Entführung. Nach weniger als einer Stunde waren die Geiseln befreit.

DIE SELEKTION VON ENTEBBE?

 

Ein studentisches Ausstellungsprojekt -

Die Ausstellung war zwischen dem

21. September bis zum 21. Dezember 2016

in der Bildungsstätte Anne Frank (Frankfurt)

zu sehen.

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